St. Anna auf neuen Wegen: Raum für Spiritualität, Kultur und Gemeinschaft
2025 wurde die Entwicklung der Kirche St. Anna als Ort für Spiritualität, Kultur und Begegnung weiter vorangetrieben. Neue Ideen für spirituelle Angebote und die Vorbereitungen auf künftige Projekte prägten das Jahr. Seelsorgerin Christiane Rother begleitet die Entwicklung von St. Anna bereits seit mehreren Jahren. Im Gespräch berichtet sie, warum die Kirche für sie ein besonderer Ort ist und welche Impulse 2025 angestoßen wurden.
Liebe Frau Rother, für wen arbeiten Sie und was sind Ihre Aufgaben?
Ich arbeite seit fast 30 Jahren als katholische Seelsorgerin im Bistum Essen. Im Quartier Schalke und Schalke-Nord begleite ich verschiedene kirchliche und soziale Projekte. Dazu gehört auch die Kirche St. Anna, die für viele Menschen ein wichtiger Ort der Begegnung ist.
Wie sind Sie zum Sozialwerk und zu St. Anna gekommen?
Vor Corona war ich in einem Arbeitskreis für Schalke-Nord aktiv. Dort lernte ich die Kirche St. Anna kennen und war im Ehrenamtskreis immer mal wieder dabei. Unser Ziel war, St. Anna zu einer zentralen Begegnungsstätte im Quartier zu machen. Damit St. Anna präsent bleibt, war es wichtig, die traditionellen Gottesdienste zu Allerheiligen und zum Patronatstag wieder aufleben zu lassen. Mir war von Anfang an klar, dass St. Anna mehr ist als nur ein Raum für Gottesdienste: Sie ist ein offener Ort mitten im Quartier, der kirchliches Leben mit sozialen und kulturellen Angeboten verbindet.
Die Christ:innen in Gelsenkirchen sind mittlerweile eine knappe Minderheit. Was bedeutet das für Ihre Arbeit?
Weniger als die Hälfte der Gelsenkirchener:innen gehört heute einer christlichen Kirche an. Das verändert das kirchliche Leben grundlegend. Deshalb müssen wir Kirche neu denken – nicht nur in traditionellen Gemeindehäusern, sondern dort, wo die Menschen sind: im Quartier, im Stadtteil. Für mich heißt das auch, präsent zu sein und gemeinsam etwas zu bewegen.
Was fasziniert Sie an der Kirche St. Anna, die Kirche und soziale sowie kulturelle Nutzung verbindet?
Ich finde es spannend, dass St. Anna ein offener Ort für ganz unterschiedliche Menschen ist – mit und ohne Assistenzbedarf, aus verschiedenen Altersgruppen und Lebenssituationen. Der Raum wirkt offen und einladend, zugleich aber auch voller Geschichte. Es ist kein klassischer Gemeinderaum, sondern ein lebendiger Begegnungsort mitten im Quartier, der Kirche, Kultur und soziale Arbeit zusammenbringt.
2025 wurden erste Überlegungen für neue spirituelle Angebote in St. Anna entwickelt. Was ist geplant?
Wir entwickeln derzeit entsprechende Formate. Es sollen keine klassischen Gottesdienste sein, sondern eher kurze, niedrigschwellige Impulse, die sich am Kirchenjahr orientieren – zum Beispiel zum Patronatsfest, Erntedank oder zu Christi Himmelfahrt.
Mir ist wichtig, dass diese Impulse einladend und dialogisch sind. Die Teilnehmenden sollen ihre eigenen Erfahrungen und Gedanken einbringen können. Spiritualität ist für mich persönlich, aber auch etwas Gemeinschaftliches – diesen Austausch möchte ich fördern.
Mit welchen Erwartungen blicken Sie nach den Entwicklungen des Jahres 2025 auf die Zukunft von St. Anna?
Ich wünsche mir, dass St. Anna noch sichtbarer und zugänglicher wird – ein Ort, an dem Menschen sich begegnen und Gemeinschaft erleben können. Gerade in einer Zeit, in der viele Orientierung suchen, können solche Orte wichtig sein.
St. Anna als Teil der
Manifesta 2026
Bereits 2025 begannen die Vorbereitungen für ein besonderes Ereignis: Die Kirche St. Anna wurde als Ausstellungsort der europäischen Nomadenbiennale Manifesta 2026 ausgewählt. Damit rückte der Standort auch international in den Blick.
Die Manifesta beschäftigt sich unter anderem mit der Frage, wie bestehende Räume neu genutzt werden können und welche Formen von Gemeinschaft dort entstehen. Themen, die gut zur Entwicklung von St. Anna passen.
Für das Sozialwerk St. Georg bietet die Teilnahme die Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen und die Verbindung von Spiritualität, Kultur und sozialer Teilhabe sichtbar zu machen.