Interview mit Sebadja Schüler: „Kinder brauchen verlässliche Beziehungen“

2025 wurden in den Kinder & JugendRäumen des Sozialwerks St. Georg mehrere neue Angebote eröffnet – unter anderem auf dem Gelände des Schachts Graf Bismarck in Gelsenkirchen sowie mit dem Kinderhaus WaldBlick in Bad Berleburg-Girkhausen. Im Interview spricht Bereichsleiter Sebadja Schüler darüber, warum gerade für jüngere Kinder passende Unterstützungsangebote dringend gebraucht werden, welche Rolle stabile Beziehungen spielen und weshalb vernetzte Hilfen immer wichtiger werden.

Herr Schüler, 2025 sind in den Kinder & JugendRäumen mehrere neue Angebote entstanden. Warum war dieser Ausbau notwendig?

Wir erleben schon seit längerer Zeit, dass der Bedarf deutlich steigt – besonders bei jüngeren Kindern mit komplexeren Unterstützungsbedarfen. Gleichzeitig fehlen vielerorts passende Angebote und Pflegefamilien. Deshalb war es wichtig, zusätzliche Plätze zu schaffen.

Sie haben im Zusammenhang mit den neuen Gruppen einmal gesagt: „Wir wurden ziemlich überrannt.“ Was meinten Sie damit?

Dass die Nachfrage extrem hoch war – teilweise schon vor der Eröffnung. Gerade bei den Steigerhäusern auf dem Gelände des Schachts Graf Bismarck haben wir gemerkt, wie groß der Bedarf tatsächlich ist. Die Anfragen kamen nicht nur aus der Region, sondern teilweise weit darüber hinaus.

Die neuen Wohngruppen auf dem Gelände des Schachts Graf Bismarck richten sich an unterschiedliche Altersgruppen. Was verbindet die Angebote miteinander?

Uns war wichtig, Kindern einen möglichst sicheren und stabilen Rahmen zu bieten. Gerade Kinder mit belastenden Erfahrungen brauchen verlässliche Beziehungen, feste Strukturen und Menschen, denen sie vertrauen können. Deshalb arbeiten wir bewusst mit kleinen Gruppen und einem familiennahen Alltag.

Auch das Kinderhaus WaldBlick richtet sich an jüngere Kinder. Welche Rolle spielen solche spezialisierten Angebote?

Sie ermöglichen eine sehr intensive Begleitung in einer besonders sensiblen Lebensphase. Viele dieser Kinder haben belastende Erfahrungen gemacht oder brauchen aufgrund ihrer Entwicklung besondere Unterstützung. Dann ist es wichtig, dass sie einen Ort erleben, an dem sie Sicherheit, Stabilität und Vertrauen erfahren können.

Gleichzeitig betonen Sie immer wieder die Zusammenarbeit mit Familien. Warum ist das so wichtig?

Weil die Herkunftsfamilie trotz aller Schwierigkeiten ein wichtiger Teil des Lebens der Kinder bleibt. Deshalb gehört Elternarbeit für uns ganz selbstverständlich dazu. Wenn möglich, soll auch eine Rückkehr in die Familie unterstützt werden.

Die neuen Angebote arbeiten sehr eng mit ihrem Umfeld zusammen. Welche Bedeutung hat das?

Kinder brauchen nicht nur gute pädagogische Begleitung, sondern auch soziale Teilhabe. Deshalb ist es wichtig, dass sie Kontakte erleben, Vereine kennenlernen, in Schulen eingebunden bleiben oder einfach Nachbarschaft erleben können. Das hilft dabei, Vertrauen und Selbstwert aufzubauen.

Was nehmen Sie aus dem Jahr 2025 besonders mit?

Dass es richtig war, diese Angebote zu schaffen. Gleichzeitig hat das Jahr aber auch gezeigt, wie groß der Bedarf inzwischen geworden ist. Umso wichtiger bleibt es, Kindern früh passende Unterstützung und verlässliche Beziehungen anzubieten.