Gute Arbeit trotz Fachkräftemangel
Was passiert, wenn immer mehr Menschen Unterstützung benötigen, gleichzeitig aber immer weniger Fachkräfte zur Verfügung stehen? Für viele soziale Unternehmen ist diese Frage längst Realität. Das Sozialwerk St. Georg hat darauf 2025 eine klare Antwort formuliert: mit einer neuen Personalstrategie, die nicht auf Stillstand oder Verzicht setzt, sondern auf Gestaltung.
Der zentrale Gedanke der Strategie ist dabei bewusst klar formuliert: Das Sozialwerk will seine Leistungen auch künftig auf fachlich hohem Niveau erbringen – trotz knapper werdender personeller Ressourcen. Oder, wie es in der Strategie heißt: „Wir werden unsere Leistungen bei hoher Qualität mit weniger Personal erbringen.“
Arbeit neu organisieren
Was zunächst widersprüchlich klingt, beschreibt einen grundlegenden Wandel. Denn das Ziel ist nicht, Mitarbeitende stärker zu belasten. Vielmehr geht es darum, Arbeit anders zu organisieren, unnötige Routinen zu reduzieren und technische Möglichkeiten sinnvoll zu nutzen. Digitalisierung, moderne Arbeitsformen und ein neues Verständnis von Führung sollen helfen, Ressourcen gezielt dort einzusetzen, wo Menschen sie am dringendsten brauchen.
Wie konkret das aussehen kann, zeigen kleine Ideen aus dem Arbeitsalltag. In mehreren besonderen Wohnformen entstand nahezu zeitgleich der Wunsch, Kühlschranktemperaturen künftig digital zu erfassen, statt sie täglich von Hand zu dokumentieren. „Solche Routinen kosten unglaublich viel Zeit“, erklärt Birte Petersen, Beauftragte für Gewaltprävention und Personalstrategie. „Dies ist ein Beispiel von vielen, das zeigt, wie wir Arbeit leichter und schlanker gestalten können.“
Vier Hebel für die Zukunft
Die Strategie setzt dabei auf vier zentrale Hebel: Organisationsoptimierung, technische Unterstützung – zum Beispiel durch Künstliche Intelligenz –, eine starke Unternehmenskultur und die Weiterentwicklung des Sozialwerks als attraktiver Arbeitgeber. Personalmangel soll nicht beklagt, sondern aktiv beantwortet werden: durch bessere Arbeitsbedingungen, moderne Strukturen und eine Kultur, in der Mitarbeitende gerne arbeiten.
Im Mittelpunkt stehen dabei die drei strategischen Dimensionen Digitalisierung, New Work und Leadership. Ziel ist eine neue Kultur der Zusammenarbeit, die von Vertrauen, Flexibilität und Verantwortungsbewusstsein geprägt ist. Teams sollen selbstorganisierter arbeiten können, Führung soll Orientierung geben und Mitarbeitende stärken. Gleichzeitig bleibt klar: Fachliche Entscheidungen und die Verantwortung für die Qualität der Arbeit liegen immer beim Menschen.
Mitarbeitende aktiv einbeziehen
2025 stand zunächst das Thema Führung im Mittelpunkt. Entwickelt wurden unter anderem neue Führungsgrundsätze, ein Führungsleitbild und geschärfte Anforderungsprofile. Die Umsetzung der Personalstrategie ist auf insgesamt sechs Jahre, bis 2030, angelegt. In den kommenden Jahren folgen weitere Schwerpunkte: von Team- und Fehlerkultur über New-Work-Konzepte bis hin zur Stärkung selbstorganisierter Teams.
Besonders wichtig ist dem Sozialwerk dabei die Beteiligung der Mitarbeitenden. Über Befragungen, Arbeitsgruppen und neue Austauschformate können Kolleg:innen ihre Erfahrungen und Ideen einbringen. Denn die Strategie soll nicht „von oben verordnet“, sondern gemeinsam weiterentwickelt werden.
Leitend bleibt dabei das Leitbild des Sozialwerks St. Georg: „Gemeinsam.Anders.Stark.“ Die Personalstrategie übersetzt diesen Anspruch in die Arbeitswelt der Zukunft – mit dem Ziel, gute Unterstützung für Menschen mit Assistenzbedarf langfristig zu sichern und gleichzeitig gute Arbeitsbedingungen für Mitarbeitende zu schaffen.